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Foto: Erwartungen und Forderungen an den Partner – Mein Partner fordert zu viel!

Erwartungen und Forderungen an den Partner – Mein Partner fordert zu viel!

Erwartungen und Forderungen an die Partnerin, an den Partner

Paarbeziehungen sind wohl immer auch ein Grund für Erwartungsenttäuschungen. Beziehungen haben das an sich, dass man enttäuscht wird. Es wäre auch schade, wenn dies nicht so wäre. Wären wir einander in einer Paarbeziehung gleichgültig, ganz ohne Träume, Gefühle und Hoffnungen, dann würde uns auch nichts mehr enttäuschen.

Wenn ein Partner zuviel fordert und ständig seine unerfüllten Erwartungen mitteilt, überdies vielleicht noch enttäuscht reagiert  – zickig, bestrafend durch Rückzug oder mit scharfen Worten – entsteht nicht selten aber eine ungute Schieflage. Im Rahmen eines solchen Partnerschaftskonfliktes kann der Eindruck entstehen, dass die persönliche Freiheit eingeengt wird und auch der partnerschaftliche Fokus: Es geht um einen Defizitblick. Unglücklich über dieses Beziehungsproblem sind meist beide Partner. Der „angegriffene“ Partner fürchtet um seine Freiheit und geht angesichts der Dominanz und Vehemenz des „fordernden“ Partners in Abwehr oder Rückzug. Der „fordernde“ Partner fühlt sich unterlegen, weil er sich schlecht behandelt sieht. Eine Kreislauf der Aktionen und Reaktionen beginnt, der vermutlich eher nicht zu gewünschten Ergebnissen führen wird.

Teufelskreis aus Angriff und Verteidigung, aus Erwartungen und Erwartungsenttäuschungen, Vorwürfen und Gegenvorwürfen

1. Je nach dem, wie Erwartungen und Forderungen mitgeteilt werden, und auch in welcher Intensität, kann es auch zu Abwehr- und Gegenwehr seitens des in Frage gestellten Partners kommen. Anstatt Kritik gut annehmen zu können und die Kritikpunkte zu bedenken, wird einfach zurückgeschossen oder argumentativ verteidigt.

2. Der „angegriffene“ Partner fühlt sich durch ständige Forderungen vielleicht heruntergeputzt. Er könnte die Idee haben: Ich bringe es einfach nicht, habe es an der Seite meiner Partnerin nicht drauf und kann nichts recht machen.

Auf Dauer, das ist klar, hört sich das kein Partner gerne an. Das ist ein bißchen wie eine Entmannung oder eine Entfrauung.

3. Ein tiefgreifender Entfremdungsprozess kann einsetzen. Der „angegriffene“ Partner schaltet immer mehr auf Durchzug und seine Gefühle für den „fordernden“ Partner lassen nach. Partner leben sich auseinander.

4. Es fehlt dem „angegriffenen“ Partner an Entfaltungsmöglichkeiten: Der „fordernde“ überhäuft den „angegriffenen“ Partner mit Ideen, Aktionen, Wünschen, Erwartungen und Aussagen über enttäuschte Träume. In einem Kreislauf von Enttäuschung und auch dem Vergleich „Die anderen machen es so und so besser…“ stirbt jede kleine Regung der Entwicklung oder Initiative auf seitens des „angegriffenen“ Partners.

5. Der „fordernde“ Partner beraubt sich seiner partnerschaftlichen Offenheit und Zugewandheit, die er vielleicht bräuchte, um die kleinen, meist schon verschütteten Zeichen der Zuwendung seitens des „angegriffenen“ Partners zu erkennen. Eine Blickwinkelveränderung ist dann schwer umzusetzen oder gar nicht mehr möglich, die sonst diese liebevollen Gesten beachtet hätte. Auch ist der „fordernde“ Partner oft nicht mehr in der Lage, die kleinen Liebesbotschaften des anderen Partners zu hören.

Negativ-Kreislauf aus Erwartungshaltungen und Enttäuschungen – Aggressive Forderungshaltung

Partner wünschen sich meist, diesen Negativ-Kreislauf aus Erwartung (aggressiver Forderungshaltung) und aus Rückzug (Abwehr- und Gegenwehr) zu beenden, abzumildern oder endgültig zu verlassen. Oftmals denkt, so erlebe ich es in meinen Paarberatungen, mindestens ein Partner mehr oder weniger intensiv auch an eine Trennung, als ultima ratio auf einem längeren Weg nach Aufstiegsmöglichkeiten aus Negativspiralen partnerschaftlicher Konflikte.

Kommunikation konkret positiver Wünsche auf der Ebene der Gefühle

Ein Paar sollte an den Themen Erwartungshaltung und Kommunikation von Wünschen in der Beziehung arbeiten, auch frühzeitig und nicht nur erst bei angekündigten Trennungsszenerien. Dabei spielen auch die Inhalte, um die es geht eine Rolle. Was soll der andere Partner genau tun? Welche Handlungen soll er ausführen? Wie soll er sich emotional oder verhaltensmäßig anders zeigen? Hier halte ich es für bedenkenswert, dass Wünsche bitte positiv und nicht negativ formuliert werden sollte.

„Ich wünsche mir, dass auch Du den Müll mehr rausbringst!“ anstatt „Nie bringst Du den Müll raus. Bring den Müll weniger nicht raus!“

Bitte also: Positiv und konkret! Nicht ex negativo! Das wäre die inhaltliche Ebene.

Ich lade aber auch ein, eine weitere Seite zu beleuchten, nämlich die der zugehörigen Emotionen, Gedanken und letztlich auch die Frage nach dem Wie. Forderungen und Erwartungen sollten konkret und auch auf der emotionalen Seite begründet werden. Warum wünschen Sie sich etwas? Welches Gefühl ist damit verbunden, welche emotionale Begründung? Die Idee ist, dass über das Zeigen der Gefühle, dem Partner, der Partnerin ein andere Blick auf ihm zugetragene Wünsche angeboten werden soll.

„Wenn Du den Müll auch mehr mit rausbringst, wäre das ein tolles Gefühl für mich. Ich hätte dann das Gefühl, dass Du mich unterstützten möchtest und dass Du ein bißchen mehr anerkennst, was ich hier im Haushalt leiste. Ich möchte, dass Du mich mit dem was ich tue wertschätzt. Das würde mir sehr viel bedeuten, denn Du bist mir ja als mein Mann und Partner nicht egal!“

Vielleicht ist es Ihnen auch möglich, ein positives Beispiel zu benennen, als Konkretion Ihres Wunsches. Sie dürfen dann ruhig loben und zeigen, dass Sie das gewünschte Verhalten ja bereits einmal an Ihrem Partner beobachtet haben. Eine Prise Humor ist beim Wünsche-Äußern auch nicht verkehrt.

„Und weisst Du, damals, als ich das gebrochene Bein hatte, da hast Du mich schon so toll unterstützt. Das war prima. Ich fand das toll, wie Du damals den Müll rausgebracht hast. Deine starken Oberarme haben im  abendlichen Sonnenlicht geglänzt dabei. Ich habe Dir sehr gerne nachgesehen.“

Fragen an Partnerinnen und Partner, die Ansprüche, Erwartungen und Forderungen aneinander haben

Gerne lade ich über folgende Schritten zu einer Aussprache ein, etwa anhand folgender Fragen:

  • Ist es denkbar, dass der sehr „fordernde“ Partner eine Fokusveränderung vornimmt, und nicht alles vom Partner erhofft? In welchen Bereichen dürfte er mehr seines eigenen Glückes Schmied werden?
  • Warum werden bestimmte Dinge vom anderen Partner eingefordert? Geht es um die eigeforderten Sachinhalte [Welche sind dies im einzelnen?] oder geht es um mehr [etwa um zugehörige Emotionen, verborgene Wünsche, lang gehegte Ideen und Sehnsüchte, Beziehungsideale…]? Gibt es Enttäuschungen oder Unsicherheiten aus der Zeit der bestehenden Beziehung oder davor, welche die derzeitigen Forderungen mitbegründen?
  • Warum wird so laut geschrien oder so vehement gefordert? Ist die Sache so wichtig oder das zugehörige Gefühl? Gibt es die Idee, dass einander nicht zugehört wird? Warum ist Zuhören so wichtig [um sachlogisches Verstehen von Inhalten zu erreichen, oder etwa auch um zwischenmenschlichen Respekt und Achtung herzustellen]?
  • Ist es möglich, dass der „angegriffene“ Partner eine Zusage gibt? Etwa so: Wenn Du anders mit mir spricht, wenn wir anders über das Thema kommunizieren, dann gehe ich mehr auf Dich ein und höre zu.
  • Haben die beiden Partner vielleicht eine Idee, wie ein veränderter, neuer, anderer Kommunikationsstil in ihrer Partnerschaft aussehen könnte? Gibt es Punkte, die zu mehr Augenhöhe und Wertschätzung führen?
  • Was bräuchte es, damit wir endlich das fokussieren, das in der Beziehung gut läuft? Wie kommen wir von einem eher defizitären Blick zu mehr wertschätzender und positiver Sichtweise?
  • Was könnte uns mehr Stabilität und Sicherheit in der Beziehung geben, von der aus wir vielleicht noch einmal anders über unsere Forderungen nachdenken und sprechen? Gibt es Sicherheiten, die wir als einzelne Partner nur uns selbst geben? Welche Sicherheiten und Erfüllungen aber erhoffen wir unaufgebbar vom Partner? Was gibt uns das Wir der Beziehung?

Deeskalative Kommunikation und respektvolle Konstruktivität

Paare und einzelne Partner/innen sollten sich um das Herausarbeiten einer veränderten Kommunikation (mehr Lob und konkret-situatives Formulieren), einer Deeskalation in der partnerschaftlichen Begegnung (weniger direkte Konfrontation, mehr respektvolle Konstruktivität) und um eine veränderte Grundhaltung (Fokusveränderung) bemühen. Jedes Paar und jeder Partner ist anders und bringt hier vielleicht auch andere Ideen für ein solches Veränderungsprojekt ein. Wer aber immer mehr von Demselben tut und sich wundert, dass sich dadurch – auch über lange Zeiträume – nichts verändert, mitunter auch verschlechtert, sollte sich fragen, weshalb er ein Mehr Desselben unternimmt. Was hingegen wäre lohnenswert, es einmal auch anders zu probieren?

Mein Angebot für Paare und Partner*Innen in Berlin 

Ferdinand Krieg, Dipl.-Theologe
Heilpraktiker beschränkt auf das Gebiet der Psychotherapie.

Weiterbildungen:
Systemischer Therapeut und Berater (SG)
Systemischer Paartherapeut (SIH)

Kontakt: +49-1577-5337371, Email

Ferdinand Krieg

Dipl.-Theologe | Heilpraktiker beschränkt auf das Gebiet der Psychotherapie
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