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Foto: Mein Partner ist erfolgreicher und schöner. Keine Beziehung auf Augenhöhe?

Mein Partner ist erfolgreicher und schöner. Keine Beziehung auf Augenhöhe?

In Paarbeziehungen, die vom romantischen Liebesideal – monogame Exklusivität, Treue, Ausschließlichkeit und erfüllter Liebe, Balance von Geben und Nehmen etc. – geprägt sind, kann eine Über- oder Unterordnung zu heftigen Konflikten führen. Die meisten Partner, denen ich im Rahmen einer Paarberatung begegne, wünschen sich doch eine Beziehung auf Augenhöhe.

Viele Klienten klagen dann über eine andauernde Vorwurfshaltung und Unzufriedenheit des anklagenden Partners. Die häufigste Abwehrhaltung, die ein Beziehungspartner jetzt einnimmt, ist eine Verteidigungshaltung aus sachlogischen Erklärungen und Gegenbeweisen, aus Rückzugshandlungen oder eine immer weiter voranschreitende Distanzierung; meist unausgesprochen und innerlich. Manchmal begegne ich auch Paaren, die gar nicht mehr recht unterscheiden können, was nun eine bewusst fokussierte und somit fast schon selbst erschaffene Ungleichheit ist und was sie wirklich in eine Schieflache bringt. Es kommt vielleicht auch ein wenig darauf an, wie wir die Dinge fokussieren, welche Gefühle wir zu ihnen haben. Wir können aus einem Elefanten eine Fliege machen und aus einer Fliege einen Elefanten. Vielleicht liegt die Wahrheit zwischen beiden Extremen, humorvoll formuliert als eine Art Elefantenfliege oder Fliegenelefant.

Doch zurück zur Augenhöhe, die ich als Paarberater in meinen Sitzungen immer wieder in den Blick nehme. Ich gehe davon aus, dass es zwei starke „Ichs“ benötigt, um ein starkes „Wir“ als Beziehung dauerhaft leben zu können. Das heisst, die Balance zwischen mir selbst als Individuum und meinen Bedürfnissen einerseits und der Beziehung andererseits, muss stimmig sein. Das muss sich die Wage halten. Es gibt Partnerschaften, in denen versucht wird, einen Partner zu dominieren. Manchmal nehmen wir dies auch einfach nur so wahr, weil ein alter Streit noch nicht beigelegt wurde oder uns Vertrauen in die Stabilität und die Liebe des Partners fehlt. Vielleicht fehlt auch eine gute Balance von Geben und Nehmen in der Partnerschaft? Wenn ein Partner nur investiert und der andere nur nimmt, bringt das eine Beziehung in Schieflage.

Dass ein Partner in einer Beziehung einem gesellschaftlich vermeintlich höher angesehenen Beruf nachgeht oder dass er, gemessen am zeitgenössischen Schönheitsideal, besser aussieht und als attraktiver eingeschätzt wird, muss nicht zwangsläufig zu Konflikten führen. Auch hier ist Wahrnehmung, die Einstellung und der Umgang des anderen Partners entscheidend. Ihm kommt eine Schlüsselfunktion zu, denn das „erfolgreicher“ oder das „schöner“ bemisst er ja in Relation zu sich. Darüber hinaus, das ist schon schwerer, muss er sich nicht die Einschätzung und das Vergleichsurteil der anderen zu eigen machen. Zumindest kann er die Reaktion und darauf mitbestimmen.

An dieser Stelle möchte ich aber auch sagen und eingestehen, wie schwer das ist, wenn etwa der „erfolgreichere“ oder der „schönere“ Partner, ihn darin nicht unterstützt. Dies könnte er etwa in einer besonderen und klärenden Aussprache tun, in deren Rahmen er den Erfolg und die Schönheit des anderen Partners lobt und authentisch dafür Dank sagen kann. Gleichwohl kann eine solche entgegenkommende Haltung die innere Arbeit des anderen Partners nicht ersetzen. Gerade dann, wenn Negativerlebnisse eine skeptische und konfrontative Grundhaltung mitverursachen, darf sich ein „erfolgreicherer“ oder „schönerer“ Partner nicht erpressen lassen und in eine allzu ausgleichende Strategie verfallen. Es gibt Lebensaufgaben, die man auch ohne den Partner lösen muss. Eine Beziehung kann hier lediglich einen schützenden und ermutigenden Rahmen bieten, ein Fundament, von dem aus man oder frau sich der eigenen Person stellen kann.

Im Rahmen einer Paarberatung erfrage ich gerne, wie sich die beiden Partner denn eine Beziehung auf Augenhöhe genau vorstellen. Wann ist diese Augenhöhe erreicht? Wie sieht sie aus? Wie gehen die beiden Partner miteinander um, wenn sie sich auf Augenhöhe begegnen? Welche Vorstellungen, Ideen und Wünsche gibt es hierzu? Wann gab es das schon einmal, eine solche Augenhöhe? In welcher Phase der Beziehung? Mir geht es um Verständnis für das was passiert, um eine respektvolle Gesprächsatmosphäre in denen unterschiedliche Meinungen zu Wort kommen und gehört werden, sowie um die Erarbeitung von Veränderungsideen.

Ferdinand Krieg, Dipl.-Theologe
Heilpraktiker beschränkt auf das Gebiet der Psychotherapie
Weitergebildet zum Systemischen Therapeut und Berater (SG)

Ferdinand Krieg

Dipl.-Theologe | Heilpraktiker beschränkt auf das Gebiet der Psychotherapie
Weiterbildungen in Systemischer Therapie und Beratung: Systemischer Paartherapeut (SIH) | Systemischer Berater und Therapeut (SG)

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