Dipl.-Theol. Ferdinand Krieg, Berlin: Paartherapie.
Systemische Paartherapie / Paarberatung / Eheberatung.
Systemische Therapie / Beratung für Einzelpersonen.
Heilpraktiker beschränkt auf das Gebiet der Psychotherapie.

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Streitkultur und Streit in der Partnerschaft – Wenn Partner streiten…

Streit und Paardynamik

Dass sich Paare mitunter streiten, muss, aus meiner Sicht als jemand, der in der Paarberatung beruflich unterwegs ist, nicht unbedingt nur schlecht sein. Ich möchte in diesem kleinen Artikel das Thema Streit in der Partnerschaft aus verschiedenen Perspektiven beleuchten. Dabei bin ich mir bewusst, das Thema Streit nicht erschöpfend behandeln zu können. Es geht mir eher um einige ausgewählte Einschätzungen, die ich in meiner Arbeit in der Paarberatung in Berlin gewonnen habe, etwa wenn eine oder mehrere Sitzungen das Thema Streit in einer Paarbeziehung fokussieren.

Natürlich begegne ich Paare, die von andauerndem und auch heftigem Streit zermürbt, darüber nachdenken, ihre Partnerschaft zu beenden, sollte sich kein Ausweg aus immer wiederkehrenden Streitspiralen finden. Wir haben es hier sicher auch mit den Negativaspekten von Streit zu tun, der Partner voneinander entfernt und entfremdet. Nicht alles, was gesagt und getan wurde, verbal oder nonverbal, ist am nächsten Tag vergessen, so als könnte man eine Schwamm-Drüber-Technik anwenden. Paare nehmen sich mitunter als Streitpaare wahr und Streit wird dann zum dominierenden Faktor einer Beziehung. Wir sind in Beziehung, aber dieses In-Beziehung-Sein definiert sich über Streit. Wir streiten und sind deshalb noch in Kontakt. Hass und Liebe vermischen sich und auch ein differenziertes Bild scheint zu verschwimmen; differenziert in dem Sinne, dass man noch zwischen dem Verhalten eines Partners und der Person unterscheiden hätte können.

Dabei muss es gar nicht so sein, dass beide Partner den Streit bejahen, etwa aufgrund unaufgebbarer Positionen, für die zu kämpfen es sich auch dann lohnte, wenn man laut und ungerecht agierte. Der Zweck muss nicht immer alle Mittel heiligen. Dennoch gelingt es dem Paar nicht aus eigener Anstrengung Streit zu beenden, aus Streitkreisläufen auszusteigen und wohl auch nicht, aufgrund geringer Nichtigkeiten nicht erneut einen Streit vom Zaun zu brechen. Kurzum, es herrscht eine explosive Stimmung, die wie aus dem Nichts einfach da ist und in der man sich als Paar verstrickt sieht.

Streitinhalt kaum noch entscheidend

Manche Partner gestehen sogar ein, dass der Streitinhalt kaum noch entscheidend sei, dass es vielmehr eine gereizte Grundstimmung sei, die bei den geringsten Fehläußerungen oder bestimmter Handlungsmuster, zu neuen Eskalationen führe. Reizworte und Reizgesten reichen aus, insbesondere dann, wenn beide Partner einander mit einem gewissen Negativfokus begegnen und beäugen. Man rechnet bereits damit, dass es bald wieder passiert, man kennt die reizenden Grundeigenschaften und hat sich in gewisse Themen und Gedanken verbissen.

Nun denke ich, dass es wohl Paare geben mag, die ganz harmonisch, ohne Auseinandersetzungen leben mögen. Ich erinnere mich dabei aber auch an Loriot und seinen Film „pappa ante portas“ aus dem Jahr 1991. Ein Ruheständler kehrt heim und will im ehelichen Haushalt Aufgaben übernehmen. Es kommt zu Konflikten und die Ehefrau versucht dem Ganzen auch dadurch zu entfliehen, dass sie an eine Affäre mit einem anderen Mann denkt. Demgegenüber steht ein überzeichnetes Vorzeigepaar aus der Verwandtschaft, das bekundet, dass sozusagen zwischen Mann und Frau in ihrer Beziehung kein Blatt passe. Am Ende des Filmes jedoch kommt es zum Showdown und das streitbare Paar versöhnt sich, dass andere aber, womöglich auch deshalb, weil es nie zu streiten gelernt hat, verfängt sich in Zwist und Zank. Vielleicht wurde hier beim „harmonischen“ Paar ständig das gemeinsame Wir betont und hochgehalten, dabei aber der jeweils liebende Blick auf die Unterschiede und Eigenheiten der beiden Ich-Persönlichkeiten unterlassen, aus Sorge, dass ein solcher Blick entzweien müsse.

Partnerschaftliches Ringen – These, Antithese und Synthese

Ich möchte damit sagen, dass ich es grundsätzlich nicht rundherum ablehnen würde, auch miteinander zu ringen, zu streiten; in einer guten Weise, konstruktiv. Es mag eine Herzensangelegenheit geben, um die gefochten wird, aber eben in einer grundsätzlich wertschätzenden Art und Weise, in einer partnerschaftlichen Streitkultur. Auch könnte man sagen, dass Streit andeutet: Du bist mir nicht egal, ich ringe mit Dir, um die Schönheit unserer Beziehung etwa, weil es mir eine wichtige Herzensangelegenheit ist. Darum lege ich meine Emotionen und eine gewisse Intensität in den Streit hinein. Mir ist es wichtig, wie wir vorankommen und wie wir einander sehen. Es lässt mich nicht kalt und gleichgültig, wie wir zueinander stehen, wie wir aufeinander achten und was wir übereinander denken. Stück für Stück, Schritt um Schritt ringe ich mit Dir, damit wir Dynamik haben und sich etwas in unserer Beziehung weiterentwickelt; sozusagen in dialektischer Manier: Aus These und Antithese soll Synthese, etwas Höheres, Weiteres und Neues werden.

Die Suche nach weiteren Konfliktebenen

Ein Paar, dass ich streitend erfährt, könnte sich fragen: Wie streiten wir als Paar? Was daran ist gut, was daran hingegen schlecht? Wie beenden wir als Paar bisher einen Streit und was wollen wir in Zukunft ändern? Wie führen wir einen Streit konstruktiv und wertschätzend? Welche Streitinhalte gibt es, die oberflächlich, vielleicht auf den ersten Blick ganz banal wirken mögen?

Die Frage und Suche nach dem, was darunter verborgen ist, hat für mich eine besondere Bedeutung. Nicht selten verbergen sich unter der Streitoberfläche Enttäuschungen, Emotionen, Verdrängtes, Sorgen, Hoffnungen, Hilflosigkeit und der Gedanke, dass ohne lautstarkes Streiten, gar nicht mehr zugehört wird. Insofern könnte man exzessives Streiten auch als eine Art von Hilflosigkeit begreifen, in der die Idee vorherrscht, dass mich der Andere nicht hören will oder kann, mich nicht respektiert und mich und meine Persönlichkeit nicht begreift. Ich werde also laut und biete die immer gleichen Argumente auf, nur eben immer vehementer und lauter; in der Hoffnung, irgendwann laut genug gewesen zu sein. Das ist zugleich aber auch das Ernüchternde: Ich laufe mich warm und heiß, ergebnislos, wie in einem Hamsterrad, ohne endlich am Ziel angekommen zu sein. Dabei tue ich das immer Gleiche, nur intensiver und vehementer, ich steigere also das eine Verhalten, anstatt es zu ändern. Eigentlich könnte ich begreifen, dass ich keinen Erfolg habe, vielleicht fehlen mir aber Ideen, Vorstellungskraft und die Gelassenheit, etwas anderes zu versuchen, d.h. aus dem Hamsterrad auszusteigen und meine Strategie zu verändern.

Konfliktstufen der Streitspirale

Ich denke, dass es mit dem Versuch, etwas anders zu machen, eben jenen Mut und jene Gelassenheit braucht, das bisher Gewohnte zurückzulassen und nicht mehr krampfhaft an eingefahrenen Handlungsmustern festzuhalten. Ob hier die Trennung jener gemeinte Ausstieg sein muss, sei dahingestellt. Jedenfalls lade ich gerne ein, nicht mehr an der Intensivierung des bisherigen Streitverhaltens festzuhalten. „Wenn Paare in der Öffentlichkeit streiten“, heißt ein Artikel in der Welt am Sonntag, der nach einem Interview mit mir entstanden ist – Artikel – Welt am Sonntag (26.04.2014) . Darin ist recht gut beschrieben, wie eine nächste Eskalationsstufe aussehen könnte, wenn Partner nun auch noch das richtende Publikum der Öffentlichkeit suchen, um den Druck zu erhöhen, oder weil eine Ideenarmut herrscht. Es fällt mir nichts anderes ein, also setze ich noch eines drauf und verlagere unseren Konflikt kurzerhand in die Öffentlichkeit.

Diese Intensivierung des Streits, die versucht wird, anstatt auszusteigen und andere Strategien zu versuchen, erinnert mich an die Konflikt- und Eskalationsstufen des österreichischen Konfliktforschers Friedrich Glasl (* 1941). Von einer leichten sachorientierten Kontroverse, bis hin zu regelrechten Rosenkriegen ist alles möglich; von „Ich versuche Dir auch meine Ansicht zu erläutern“ bis hin zu „Wenn Du nicht willst, dann gehen wir beide in den Abgrund“. Glasl kennt 9 Eskalationsstufen auf 3 Ebenen: von win-win bis lose-lose. (Vgl. Glasl, Friedrich: Konfliktmanagement. Ein Handbuch für Führungskräfte und Berater. 2. Auflage. Bern 1990.)  Hier kommen dann jene Rosenkriege ins Spiel, jene Auseinandersetzungen, in denen schlussendlich auch unfeine Register gezogen werden, um einen abwertenden und erbitterten Kampf von Ehefrau gegen Ehemann, oder vice versa, zu führen.

Ein dpa-Artikel zum Thema Streiteskalation in einer Partnerschaft ist übrigens aus einem kleinen Interview mit der Psychologin Felicitas Heyne, dem Paartherapeuten David Wilchfort und mir entstanden. „Bis einer heult – 7 Todsünden beim Streiten mit dem Partner“ lautet der Titel (unter obigem Link in der Süddeutschen Zeitung online veröffentlicht, am 3.12.2014)

Ferdinand KriegDipl.-Theologe.
Heilpraktiker beschränkt auf das Gebiet der Psychotherapie.

Weitergebildet – in systemisch-lösungsorientierter Therapie, Familientherapie
und Beratung – zum Systemischen Therapeut und Berater (SG); zertifiziert nach den
Rahmenrichtlinien der Systemischen Gesellschaft in Deutschland.

Derzeit (bis 2016) zusätzliche Weiterbildung in Systemischer Paartherapie bei PD Dr. med. Dipl.-Psych. Arnold Retzer am Systemischen Institut Heidelberg (SIH).

Systemische Arbeit mit Einzelpersonen, Paaren und Familien in Berlin Prenzlauer Berg.

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Dipl.-Theologe Ferdinand Krieg.
Heilpraktiker beschränkt auf das Gebiet der Psychotherapie.

Weitergebildet für die Arbeit mit Einzelpersonen, Paaren und Familien – in systemisch-lösungsorientierter Therapie, Familientherapie und Beratung – zum Systemischen Therapeuten und Berater (SG), zertifiziert durch die Systemische Gesellschaft (SG). Zudem weitergebildet in Systemischer Paartherapie, am Systemischen Institut Heidelberg (SIH).

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