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Foto: Streitkultur und Streit in der Partnerschaft – Wenn Partner streiten…

Streitkultur und Streit in der Partnerschaft – Wenn Partner streiten…

Paare streiten und womöglich ja jedes Paar dazu eine ganz eigene Streitkultur entwickelt. Oder eine Unkultur des Streitens? Dass sich Paare mitunter streiten, muss ja nicht nur schlecht sein. Es kommt aber auf die Art und Weise des Streits an. Auf die Streitkultur!

Ich möchte in diesem kleinen Artikel die Themen Streitkultur und Streit in der Partnerschaft aus ausgewählten Perspektiven beleuchten. Dabei bin ich mir bewusst, das Thema Streit nicht erschöpfend behandeln zu können. In meinem Blog finden Sie zum Thema Streit zudem auch weitere Beiträge. Zudem biete ich in Berlin Paarberatung und eine Beratung für Paare zum Thema Streit an.

Partnerschaftliche Streitkultur – Wenn Paare streiten…

Natürlich begegne ich Paare, die von andauerndem und auch heftigem Streit zermürbt, darüber nachdenken, ihre Partnerschaft zu beenden, sollte sich kein Ausweg aus immer wiederkehrenden Streitspiralen finden. Wir haben es hier sicher auch mit den Negativaspekten von Streit zu tun, der Partner voneinander entfernt und entfremdet. Nicht alles, was gesagt und getan wurde, verbal oder nonverbal, ist am nächsten Tag vergessen, so als könnte man eine Schwamm-Drüber-Technik anwenden.

Paare nehmen sich mitunter als Streitpaare wahr und Streit wird dann zum dominierenden Faktor einer Beziehung. Wir sind in Beziehung, aber dieses In-Beziehung-Sein definiert sich über Streit. Wir streiten und sind deshalb noch in Kontakt. Hass und Liebe vermischen sich und auch ein differenziertes Bild scheint zu verschwimmen; differenziert in dem Sinne, dass man noch zwischen dem Verhalten eines Partners und der Person unterscheiden hätte können.

Dabei muss es gar nicht so sein, dass beide Partner*Innen den Streit bejahen, etwa aufgrund unaufgebbarer Positionen, für die zu kämpfen es sich auch dann lohnte, wenn man laut und ungerecht agierte. Der Zweck muss nicht immer alle Mittel heiligen. Dennoch gelingt es dem Paar nicht aus eigener Anstrengung Streit zu beenden, aus Streitkreisläufen auszusteigen und wohl auch nicht, aufgrund geringer Nichtigkeiten nicht erneut einen Streit vom Zaun zu brechen. Kurzum, es herrscht eine explosive Stimmung, die wie aus dem Nichts einfach da ist und in der man sich als Paar verstrickt sieht.

 

Ferdinand Krieg-Berlin-Paarberatung-Streit-Streitkultur-Berlin

Wenn es nicht mehr um die Inhalte des Streits geht…

Manche Partner gestehen sogar ein, dass der Streitinhalt kaum noch entscheidend sei, dass es vielmehr eine gereizte Grundstimmung sei, die bei den geringsten Fehläußerungen oder bestimmter Handlungsmuster, zu neuen Eskalationen führe. Reizworte und Reizgesten reichen aus, insbesondere dann, wenn beide Partner einander mit einem gewissen Negativfokus begegnen und beäugen. Man rechnet bereits damit, dass es bald wieder passiert, man kennt die reizenden Grundeigenschaften und hat sich in gewisse Themen und Gedanken verbissen.

Nun denke ich, dass es wohl Paare geben mag, die ganz harmonisch, ohne Auseinandersetzungen leben mögen. Ich erinnere mich dabei aber auch an Loriot und seinen Film „pappa ante portas“ aus dem Jahr 1991. Ein Ruheständler kehrt heim und will im ehelichen Haushalt Aufgaben übernehmen. Es kommt zu Konflikten und die Ehefrau versucht dem Ganzen auch dadurch zu entfliehen, dass sie an eine Affäre mit einem anderen Mann denkt. Demgegenüber steht ein überzeichnetes Vorzeigepaar aus der Verwandtschaft. Dieses bekundet, dass sozusagen zwischen Mann und Frau in ihrer Beziehung kein Blatt passe.

Am Ende des Filmes jedoch kommt es zum Showdown. Das streitbare Paar versöhnt sich. Das andere aber, womöglich auch deshalb, weil es nie zu streiten gelernt hat, verfängt sich in Zwist und Zank. Vielleicht wurde hier beim „harmonischen“ Paar ständig das gemeinsame Wir betont und hochgehalten, dabei aber der jeweils liebende Blick auf die Unterschiede und Eigenheiten der beiden Ich-Persönlichkeiten unterlassen, aus Sorge, dass ein solcher Blick entzweien müsse.

Partnerschaftliche Streitkultur als These, Antithese und Synthese

Ich möchte damit sagen, dass ich es grundsätzlich nicht rundherum ablehnen würde, auch miteinander zu ringen, zu streiten; in einer guten Weise, konstruktiv. Es mag eine Herzensangelegenheit geben, um die gefochten wird, aber eben in einer grundsätzlich wertschätzenden Art und Weise, in einer partnerschaftlichen Streitkultur.

Auch könnte man sagen, dass Streit andeutet: Du bist mir nicht egal, ich ringe mit Dir, um die Schönheit unserer Beziehung etwa, weil es mir eine wichtige Herzensangelegenheit ist. Darum lege ich meine Emotionen und eine gewisse Intensität in den Streit hinein. Mir ist es wichtig, wie wir vorankommen und wie wir einander sehen. Es lässt mich nicht kalt und gleichgültig, wie wir zueinander stehen, wie wir aufeinander achten und was wir übereinander denken. Stück für Stück, Schritt um Schritt ringe ich mit Dir, damit wir Dynamik haben und sich etwas in unserer Beziehung weiterentwickelt; sozusagen in dialektischer Manier: Aus These und Antithese soll Synthese, etwas Höheres, Weiteres und Neues werden.

Streitkultur als Anerkennung weiterer Konfliktebenen

Ein Paar, dass ich streitend erfährt, könnte sich fragen: Wie streiten wir als Paar? Was daran ist gut, was daran hingegen schlecht? Wie beenden wir als Paar bisher einen Streit und was wollen wir in Zukunft ändern? Wie führen wir einen Streit konstruktiv und wertschätzend? Welche Streitinhalte gibt es, die oberflächlich, vielleicht auf den ersten Blick ganz banal wirken mögen?

Die Frage und Suche nach dem, was darunter verborgen ist, hat für mich eine besondere Bedeutung. Nicht selten verbergen sich unter der Streitoberfläche Enttäuschungen, Emotionen, Verdrängtes, Sorgen, Hoffnungen, Hilflosigkeit und der Gedanke, dass ohne lautstarkes Streiten, gar nicht mehr zugehört wird. Insofern könnte man exzessives Streiten auch als eine Art von Hilflosigkeit begreifen, in der die Idee vorherrscht, dass mich der Andere nicht hören will oder kann, mich nicht respektiert und mich und meine Persönlichkeit nicht begreift. Ich werde also laut und biete die immer gleichen Argumente auf, nur eben immer vehementer und lauter; in der Hoffnung, irgendwann laut genug gewesen zu sein.

Das ist zugleich aber auch das Ernüchternde: Ich laufe mich warm und heiß, ergebnislos, wie in einem Hamsterrad, ohne endlich am Ziel angekommen zu sein. Dabei tue ich das immer Gleiche, nur intensiver und vehementer, ich steigere also das eine Verhalten, anstatt es zu ändern. Eigentlich könnte ich begreifen, dass ich keinen Erfolg habe, vielleicht fehlen mir aber Ideen, Vorstellungskraft und die Gelassenheit, etwas anderes zu versuchen, d.h. aus dem Hamsterrad auszusteigen und meine Strategie zu verändern.

Streitkultur adé – Zoff in der Öffentlichkeit und Hass in Rosenkriegen

Ich denke, dass es einen Versuch wert ist, etwas anders zu machen. Dazu brauchen wir Mut, das bisher Gewohnte zurückzulassen. Wir benötigen den Willen, nicht mehr verbissen an eingefahrenen Handlungsmustern festzuhalten. Ob hier die Trennung jener gemeinte Ausstieg sein muss, sei dahingestellt. Jedenfalls lade ich gerne ein, nicht mehr an der Intensivierung des bisherigen Streitverhaltens festzuhalten. „Wenn Paare in der Öffentlichkeit streiten“, heißt ein Artikel in der Welt am Sonntag. Im Rahmen der Genese des Beitrags wurde ich interviewt. (Externer Link) Paare in der Öffentlichkeit streiten – Welt am Sonntag, 26.04.2014.

In diesem Beitrag ist recht gut beschrieben, wie eine nächste Eskalationsstufe aussehen könnte. Wenn Partner*Innen nun auch noch das richtende Publikum der Öffentlichkeit suchen, erhöhen sie den Druck aufeinander. Hier herrscht zudem auch eine strategische Ideenarmut. Es fällt mir nichts anderes ein, also setze ich noch eines drauf und verlagere unseren Konflikt kurzerhand in die Öffentlichkeit.

Ist das Ende der Fahnenstange erreicht, kommt dann der Rosenkrieg ins Spiel. In dessen werden Rahmen schlussendlich auch äußerst böse Register gezogen. Streitkultur adé! Rosenkriege werden ja schließlich geführt, um erbittert gegeneinander zu kämpfen. Ehefrau gegen Ehemann und vice versa sind dabei in einem vernichtenden Kampf miteinander verbunden. Um Inhalte geht es hier vermutlich schon lange nicht mehr. Im Vordergrund steht letztlich eher der Wille, mit aller Kraft verhassten Partner*Innen fertigzumachen.

Welche Fehler man beim Streiten machen kann

Zuletzt möchte ich noch auf einen dpa-Artikel zum Thema Streiteskalation in der Partnerschaft verweisen. Für diesen journalistischen Beitrag sind die Psychologin Felicitas Heyne, der Paartherapeuten David Wilchfort und ich befragt worden: (Externer Link) „Bis einer heult – 7 Todsünden beim Streiten mit dem Partner„, hier in der Süddeutschen Zeitung online, vom 3.12.2014.

Ferdinand Krieg

Dipl.-Theologe | Heilpraktiker beschränkt auf das Gebiet der Psychotherapie
Weiterbildungen in Systemischer Therapie und Beratung: Systemischer Paartherapeut (SIH) | Systemischer Berater und Therapeut (SG)

Raumerstraße 16, 10437 Berlin – Prenzlauer Berg
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