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Foto: Wenn Paare eine offene Beziehung wollen…

Wenn Paare eine offene Beziehung wollen…

In Berlin biete ich heterosexuellen und homosexuellen Paaren Paarberatung zum Thema Offene Beziehung an. Außerdem biete ich auch einzelnen Partner*Innen meine Beratung an.

Unterschiedlichste Gründe für offene Beziehung

Es gibt vermutlich unterschiedlichste Beweggründe für eine offenen Beziehung. Grundsätzlich beobachte ich, dass das Thema Offene Beziehung für heterosexuelle, lesbische und schwule Paare ein Rolle spielt.

Das Modell einer grenzdurchlässigen Verbindung in freier Liebe und offener Sexualität war ja nicht zuletzt auch in der 68er-Bewegung Thema. Damals wollte man damit das vermeintlich kleinbürgerliche Gefühl der Eifersucht überwinden.

Andere oder weitere Überlegungen mögen heute eine Rolle spielen. Sicher gibt es Paare, die Gründe haben, Ja oder Nein zur offenen Beziehung zu sagen. Wieder andere können zudem begründen, ein kräftiges Jein zu äußern.

Mit Blick auf gleichgeschlechtliche Paare gilt vielleicht noch eine Besonderheit. Sie haben ihre Beziehungen zunächst noch am Rande der Gesellschaft leben müssen. Nach und nach haben sie sich ihre Freiheiten erkämpft. Inmitten einer heteronormativer Mehrheitsgesellschaft leben sie heute ihre Paarbeziehungen. Es gibt Lesben und Schwule, die darin ihr Glück finden, eine Ehe einzugehen. In Deutschland zumindest eine fast ehegleiche Lebenspartnerschaft. Die Ehe für Alle ist dann Ausdruck für eine neue Freiheit und Gleichberechtigung.

Andere homosexuelle Paare wenden sich hingegen ganz eigenen und anderen Beziehungsmodellen zu. Hier spielt dann eine offene Beziehung eine Rolle. Andere Beziehungsformen als die klassisch bürgerliche Ehe sind aus dieser Sicht dann Ausdruck selbstbewussten und freien homosexuellen Lebens.

Sexuelle Offenheit und klassische Beziehungsbilder im Widerstreit

Paare leben heute also rech frei und ungezwungen ihre ganz persönlichen Formen von Beziehung. Sie bestimmen für sich, was geht und was nicht. Sie probieren sich und das Miteinander aus. Gleichzeitig aber gibt es noch immer das romantische Liebesideal. Vorstellungen von ewiger Treue sind nicht einfach weggewischt. Wir heiraten immer noch gerne und schwärmen vom Traualtar und dem Austausch der Ringe. Bis das der Tod uns scheidet! Zumindest versuchen wir es.

Wir haben hier also einen Gegensatz. Mit dieser Spannung müssen Paare zurecht kommen. Sie müssen den Spagat zwischen dem Wunsch nach sexueller Offenheit und klassischen Beziehungsvorstellungen meistern.

Wir haben es bei Paaren heute mit den unterschiedlichsten Vorstellungen von Zusammenleben zu tun. Von bürgerlich bis avantgardistisch ist vieles zu haben. Insbesondere Berlin hält für Beziehungswillige und Abenteuerlustige ein breites Angebot bereit.

Es kommt wohl auf unsere Bewertungen an, wie wir etwas sehen und ob wir geneigt sind, es auszuleben oder doch abzulehnen. Die sexuelle Angebotskultur ist jedenfalls groß. Angebote gibt es in Hülle und Fülle.

Offene Beziehung als Idealbild oder Schreckensszenario?

Manches Paar hat für sich schon entscheiden, diese Offenheit zu wollen. Andere Paare sind sich stattdessen noch unsicher. Sie wissen noch nicht recht, welche Folgen die sexuelle Freizügigkeit für ihre Beziehung hat.

Paare stellen vielleicht auch Fragen nach der Umsetzung:

  • Wie sollen wir das machen?
  • Wann sollen wir eine offene Beziehung beginnen?

Einzelne Partner*Innen kommen dabei erwartungsgemäß auch zu unterschiedlichen Bewertungen. Für mich ist hier interessant, nach den Erwartungen der beiden Partner*Innen zu fragen.

  • Was erhoffen sie sich von einer sexuell offenen Beziehung?
  • Welche Beobachtungen und Erlebnisse haben sie diesbezüglich bislang schon gemacht?
  • Gibt es ideale offene Beziehungen bei anderen Paaren?
  • Oder eher Schreckenszenarien?

So lasse ich gerne zunächst herausarbeiten, weshalb sich der Wunsch nach einer Öffnung entfaltet hat, seit wann und ob dieses Ansinnen mit einer bestimmten Einschätzung der Beziehung in Verbindung steht.

Verunsicherungen und Eifersucht in offenen Beziehungen

Beobachtungsgemäß kommt es im Zuge von Beziehungsöffnungen, mitunter zu Enttäuschungen. Das gilt meiner Ansicht nach insbesondere dann, wenn Eine(r) inhaltlich und zeitlich vorauseilt. Wenn also sozusagen bereits vollendete Tatsachen geschaffen wurden und nun die Beziehung angeglichen werden soll. Im Sinne einer Öffnung versteht sich.

Die Augenhöhe in der Paarbeziehung verschiebt sich dabei gegebenenfalls in unguter Weise. Etwas gerät daher aus dem Gleichgewicht. Schließlich entstehen zudem Eifersüchte und nicht zuletzt auch Verunsicherungen. Dies ist auch dann der Fall, wenn ein(e) Partner*In die offene Beziehung eher wünscht und dann auf eine Beziehungsöffnung drängt.

Offene Beziehung als Problemlösung?

Besondere Aufmerksamkeit möchte ich auf folgenden Punkt legen: Die offene Beziehung wird vielleicht auch als Jungbrunnen für eine sich verschlechternde Paarbeziehung angesehen. Hier besteht die Gleichung: Offene Beziehung bedeutet mehr Leidenschaft und mehr Lebendigkeit im Paaralltag. Partner*Innen haben vielleicht zuvor noch wahrgenommen, dass die Verliebtheit und leidenschaftliche Zuwendung zueinander nach und nach geringer geworden war. Sie haben sich gefragt:

  • Wo ist die lebendige Beziehung des Anfangs geblieben?
  • Was ist nur aus uns geworden?

Dann haben sie schließlich festgestellt, dass ihre Beziehung ein Zusammensein in Langeweile geworden ist. Mit einer offenen Beziehung erhoffen sie sich einen rettenden Ausbruch.

Paare sollten sich hier überlegen, wo hier Vorteile und Nachteile liegen.

  • Welchen Preis für eine offene Beziehung nehmen wir in Kauf?
  • Welchen Gewinn erhoffen wir uns davon?

Ist der Stein der offenen Beziehung ersteinmal ins Rollen gekommen, muss mit den gemachten Erfahrungen und Erlebnissen hinterher auch umgegangen werden. Es ist ja denkbar, dass man sich als Paar schließlich doch entscheidet: Es bleibt für uns beim Versuch! Partner*Innen sollten hier für sich einen Weg zum Abbruch der offenen Beziehung vereinbaren.

Paare die davon ausgehen, dass eine bislang instabile und unbefriedigende Paarbeziehung nun durch eine Beziehungsöffnung repariert wird, sollten genau überlegen, ob diese Vorstellung realistisch ist.

  • Was soll durch die Beziehungsöffnung am Kern der eigentlichen Liebesbeziehung und Partnerschaft verbessert werden? Und wie?

Es ließe sich auch überlegen, ob nicht zunächst die bisherige Beziehung verbessert werden sollte. Gegebenenfalls mit der Idee, dann ein anderes Fundament für die Beziehungsöffnung zu haben.

Offene Beziehung und ursprünglich Zweierbeziehung

Eine Aufgabe ist es sicherlich auch, Treue und Verbindlichkeit neu zu definieren. Wer eine offene Beziehung eingehen möchte sollte sich fragen, was von der ursprünglichen Zweierbeziehung erhalten bleiben soll.

Zugleich ist sicherlich in manchen Fällen eine Form von Trauerarbeit angezeigt. Es darf getrauert werden, über die Preisgabe der bisher geschlossenen Zweierbeziehung. Partner*Innen sollten sich hierauf einstellen. Paare haben also die Aufgabe, frühzeitig darüber nachzudenken. Es steht die Frage im Raum:

  • Wie gehen wir damit um, wenn wir auch um etwas Aufgegebenes trauern?
  • Sprechen wir uns dann dennoch Mut zu?
  • Wie verabschieden wir Liebgewordenes?
  • Stellen wir uns gegenseitig vor, was es an bereicherndem Neuen gibt?

Wird der Partner plötzlich zum sexuellen Raubtier?

Schließlich sehen wir auch Partner*Innen vielleicht in neuem und bisher nicht bekanntem Licht. Zunächst ist da jemand vermeintlich prüde und vorsichtig. Dann plötzlich wird er zum sexuellen Raubtier. Da geht es dann, aus Sicht des entsetzten Beobachters, nur noch um die Befriedigung eines sexuellen Jagdinstinktes. Neue Bilder voneinander entstehen also. Mit diesen sollten Partner*Innen dann auch umgehen. Das bedeutet auch, dass Platz für neue Sichtweisen geschaffen werden sollte.

Beratung zu offener Beziehung für Paare und einzelne Partner*Innen in Berlin

Seit einigen Jahren biete ich in Berlin Paaren Paarberatung und Beziehungsberatung an. Im Rahmen einer Beratung sollen erste Erfahrungen mit einer geöffneten Beziehung ausgewertet und auf den Prüfstand gestellt werden. Zudem sollen auch Partner*Innen, die mit Gedanken an eine Beziehungsöffnung spielen, zuvor die Gelegenheit zu einer Beratung erhalten.

In der Beratung zum Thema offene Beziehung soll es um beides gehen: Idealbilder und Wünsche einerseits, Befürchtungen und Zweifel andererseits. Die Beratung soll ergebnisoffen sein.

  • Was erhoffe ich mir von einer offenen Beziehung?
  • Wer von uns möchte die offenen Beziehung mehr?
  • Welche Vorbilder habe ich für eine offene Beziehung?
  • Welche Regeln sollen für unsere offene Beziehung gelten?
  • Wie gehen wir mit Eifersucht um?
  • Gibt es die Möglichkeit, die offene Beziehung wieder zu beenden?

Auch die Fragen der Partner*Innen zum Thema Sexualität sind vielleicht Thema in einer Beratung:

  • Wie möchte ich meine Sexualität leben?
  • Wie soll der Sex in unserer Paarbeziehung sein?
  • Was soll gegebenenfalls in einer offenen Beziehung sexuell anders werden?

Je mehr über eine Öffnung der Beziehung nachgedacht wird, lade ich auch zu einer Bewahrung des Bisherigen ein:

  • Was soll so bleiben wie es ist?
  • Was gehört unaufgebbar zu uns?
  • Gibt es etwas, dass wir nicht mit anderen teilen möchten?
  • Hat unsere Beziehung einen unveräußerlichen und geschützten Kern?
  • Was ist der Bereich, der nur für uns da ist?

Ablauf – Vorschlag für die Beratung

Vielleicht ist der folgende Vorschlag für einen Ablauf der Paarberatung für Sie interessant. Die einzelnen Sitzungen vereinbaren wir nach Bedarf und überdies natürlich orientiert an den individuellen Bedürfnissen des jeweiligen Paares.

Sitzung: Erstgespräch als Abklärungsgespräch. Bestandsaufnahme: Was haben wir mit dem Thema offene Beziehung zu tun? Was erhoffen oder was befürchten wir von einer Beziehungsöffnung? Welche Erfahrungen haben wir bislang mit einer offenen Beziehung gemacht? Welche Wünsche und Ziele haben wir an eine Paarberatung zum Thema Offene Beziehung? Was soll hier gesehen und was soll unterbleiben? Schließlich: Wollen wir überdies eigentlich beide die Beziehungsöffnung?

Sitzung: Blick auf die bisherige Beziehungsgeschichte. Wie sind wir gestartet? Was war uns als Paar gemeinsam und was war uns als einzelnen Partner*Innen wichtig? Was haben wir bisher erlebt? Wie beschreiben wir unser gemeinsames Fundament? Gibt es so etwas wie eine aufrichtige und gute Kernbeziehung, die wir erhalten wollen? Was verbindet uns?

Sitzung: Regeln für die Öffnung. Wenn wir die Beziehung öffnen, welche Regeln für die offene Beziehung soll es dann geben? Was möchten wir vereinbaren? Welche Bereiche sollen geschützt und exklusiv bleiben? Welche Bereiche der Beziehung möchten wir öffnen? Wie definieren wir darüber hinaus in Zukunft Fremdgehen? Gibt es auch eine Veto-Möglichkeit?

Weiterer Ablauf

Sitzung: Aussprache über noch offene Fragen, Risiken, Schwierigkeiten und Befürchtungen, aber auch über Hoffnungen und Wünsche. Einladung, einzelne Themen noch eingehender zu besprechen, z.B. die Frage nach einer Balance zwischen Exklusivität und Offenheit im Paaralltag. Wie teilen wir uns unsere Stimmungen und Bedürfnisse mit? Wie gehen wir darüber hinaus achtsam als Paar miteinander um, gerade dann, wenn wir mehr Öffnung nach Außen wagen wollen?

Sitzung als erster Erfahrungsaustausch. Welche Erfahrungen haben wir gesammelt, gegebenenfalls. in einer ersten Testphase? Soll es so weitergehen? Welche Auswirkungen hat überdies die Beziehungsöffnung auf unsere Paarbeziehung? Was war gut, was war weniger gut? Sind wir an Grenzen gekommen oder haben wir Fortschritte gemacht? Wie ist es heute um unser Miteinander in der primären Kernbeziehung bestellt?

Nachfolgend habe ich noch Links für Sie bereitgestellt, zum Thema offenen Beziehung.

Artikel zum Thema geöffnete Beziehung (PDF) (aus: Schweizer Schwulenmagazin MANNSCHAFT, Juni 2015)

(Externer Link): Artikel zum Thema auf Wunderweib.de (Redaktion Maxi, 28.07.2014)

Ferdinand Krieg

Dipl.-Theologe | Heilpraktiker beschränkt auf das Gebiet der Psychotherapie
Weiterbildungen in Systemischer Therapie und Beratung: Systemischer Paartherapeut (SIH) | Systemischer Berater und Therapeut (SG)

Raumerstraße 16, 10437 Berlin – Prenzlauer Berg
Telefon (mobil) +49-1577-5337371
E-Mail: kontakt@einzelundpaartherapie.de