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Foto: Erektionsprobleme und Partnerschaft – Er steht nicht (zu mir)!

Erektionsprobleme und Partnerschaft – Er steht nicht (zu mir)!

Erektionsprobleme und Partnerschaft – Er steht nicht (zu mir)!

Es geht vielleicht um beides: um Erektionsprobleme und Partnerschaft. Nicht nur, dass ein Mann mit Erektionsproblemen, damit zu tun hat, dass er sich selbst kritisiert. Hinzu kommt vielleicht auch ein*e Partner*in, die/der angesichts einer für penetrativen Sex ungenügenden Gliedsteife, ihren/seinen Partner kritisiert. „Du stehst nicht (zu mir)!“, „Du stehst nicht (auf mich)!“.

Erektionsprobleme und Partnerschaft: ‚Du Schlappschwanz‘!

Ein böses Schimpfwort, das vielleicht alle kennen ist ‚Schlappschwanz‘. Wer das so verbalisiert, meint damit im erweiterten Sinn gar nicht unbedingt einen schlaffen oder für eindringenden Penis-Vagina-Sex oder Penis-Anus-Sex ausreichend erigierten Penis. Er oder sie stellt insgesamt – mit dem Ziel eine Kränkung herbeizuführen – das Männlich-Sein, das Mann-Sein des Partners infrage. Dies mag sich auch – gegebenenfalls auch nur ausschließlich – auf vermeintlich fehlende und stereotyp als ausgesprochen männlich verstandene Eigenschaften beziehen: etwa Willenskraft, Entscheidungs- und Entschlusskraft. Insofern wäre auch ein eher bedächtig und sich rückversichernd agierender Mann ein ‚Schlappschwanz‘. Ein solches Agieren ist aber wiederum vielleicht auch nachvollziehbar, angesichts einer gegebenenfalls als bedrohlich empfundenen Art grundsätzlicher ‚verbaler Kastration‘ durch die/den Partner*in.

Drehbuchsex à la „Mach mir den Hengst!“

Aber noch einmal zurück zur Selbstkritik des Mannes, der sich mit Erektionsschwierigkeiten (mangelnde oder fehlende Erektion für Sex oder Verlust der Erektion beim Sex) plagt. Selbst wenn ein*e Partner*in hier liebevoll agiert, beschwichtigt, aussagt, dass doch alles gar nicht so schlimm sei: Das Problem ist im Raum und oftmals wird hier auch von einem seelischen Druck berichtet, eigentlich etwas anderes (etwa einen Drehbuchsex à la „mach mir den Hengst!“) liefern zu müssen.

Heterozentrierter Fokus beim Sex

Insbesondere dann, wenn im Selbstverständnis die Rolle des Mannes die ist, seine*n Partner*in zu befriedigen. Hier liegt nämlich der Fokus ganz auf der gebenden Rolle. Die eigene Freude beim Sex ist daran gekoppelt – davon abhängig – dass die / der Partner*in durch das Tun und Können, durch die Fertigkeiten und das Funktionieren des Gebenden, des Liebhabers, Freude erlangt. Nur leider bleibt eine Erektion aus und ein Drehbuchsex mit Abliefern findet daher nicht statt.

Der Fokus der Person in der gebenden Rolle ist dabei vielleicht fast ausschließlich auf eine Art von Rückkoppelung – im Sinne von „Meiner/meinem Partner*in gefällt, was ich tue“ und „Ich betrachte, wie es ihr/ihm gefällt“ – ausgerichtet. Es ist ein heterozentrierter Sex. Manchmal wurde hier aber auch noch nicht gelernt, die zu- beziehungsweise eindringende Rolle erotisch zu besetzen. Vielleicht wird eher eine liebevolle Verschmelzung mit der*dem Partner*in angestrebt. Ein Bei-Sich-Sein und im okayen Sinne egoistisches Penetrieren(-wollen) aber, wird sich verboten, überfordert, wird als nicht zur*zum Partner*in passend empfunden, oder wurde (noch) nicht erlernt.

Umgekehrt ließe sich fragen, ob gleichsam auch die*der Partner*in vielleicht einen sehr heterozentrierten Fokus hat: „Nur wenn er erigiert ist, dann bin ich gut und attraktiv. Ohne seinen erigierten Penis, weiß ich nicht, was ich sexuell erleben und tun soll. Er steht nicht (zu mir)! Und: Er steht nicht (auf mich)!

Den Satz „Er steht nicht zu mir!“ oder „Er steht nicht auf mich!“ habe ich übrigens erinnerlich vom bekannten Sexualtherapeuten und Psychologen (externer Link) Ulrich Clement aufgeschnappt. Dieser Satz, so von ihm mit einer Prise Humor ins Feld geführt, soll auf eine typische Interpretation, die Partner*innen vielleicht anstellen, hinweisen.

Starker bis ausschließlicher Fokus auf die Gliedsteife

In der Zuspitzung des intrapsychischen und partnerschaftlichen Problems zum Thema Erektion und Erektionsschwierigkeiten gerät das Funktionieren (Funktionieren-Können, Nichtfunktionieren) schwerpunktmäßig in den Fokus. Mit der Erektion steht und fällt sozusagen im wahrsten Sinn des Wortes alles. Nicht nur die*der Partner*in beobachtet den Penis ihres Partners – durch direkte Blicke, vorsichtiges, vermeintlich beiläufiges Ertasten –, ähnlich verhält sich gegebenenfalls auch der*die Penisträger*in.

Man fragt sich, wie sich das Paar und die Person mit Penis in einem solchen Klima in der Partnerschaft fühlen. Was macht eine sozusagen derartige Fokussierung und einen Tunnelblick auf die Erektion mit den beiden; und mit dem Sex, den sie miteinander erleben? Wenn Sie überhaupt noch einen Sex miteinander haben. Dies jedenfalls ist ein überdenkenswerter, wenn auch aus der Not geborener Umgang mit einem sexuellen Problem.

Erektionsprobleme und Partnerschaft: Vorwürfe und Streit in der Beziehung

Ein Nichtfunktionieren führt vielleicht zu Streit und Konflikten in der Beziehung. Bis hin zum Vermeiden gemeinsamer sexueller Aktivität. Sich zu beschimpfen, Frust und Enttäuschungen zu verbalisieren und Rückzüge sind dabei vielleicht wenig einladend. Es stellt sich die Frage, in welcher Atmosphäre man gerne über Formen und Möglichkeiten – auch jenseits von Erektion und Co – nachdächte. Was bräuchte es, um sich diesen Alternativen experimentell neugierig zu nähern?

Ärztliche Abklärung

In einem ersten Schritt sollten Erektionsprobleme ärztlich abgeklärt werden, um eventuelle physische Ursachen zu identifizieren oder auszuschließen. Erektionsprobleme können physische und/oder psychische Ursachen haben.

Aussprache auf der Ebene als Paar

Vielleicht möchte ein Paar zudem auch moderiert – etwa in einer Paarsexualberatung – einen Paarkonflikt und eine zugehörige Frustrationsgeschichte miteinander besprechen. Dabei dürfen beide Seiten gehört werden, mit dem Ziel eine wertschätzende Aufmerksamkeit zu schenken. Missverstände dürfen identifiziert werden, auch in der Absicht, dass Partner*innen neue Sichtweisen auf sich, den*die Partner*in, die Beziehung und auf das gemeinsame Sexualleben erarbeiten.

Dieser Beitrag ersetzt keine ärztliche Abklärung, Behandlung und/oder Psychotherapie dar. Wende dich an einen fachkundigen Arzt zur diagnostischen Abklärung. Mein Beitrag soll und kann nicht zu selbstdiagnostischen Zwecken verwendet werden.

In meinem Blog halte ich weitere Artikel zum Thema Partnerschaft, Sex und Sexualleben bereit. Dort finden Sie auch folgenden Beitrag: Interview mit dem Penis – Gespräch mit dem besten Stück.

Ferdinand Krieg

Dipl.-Theologe | Heilpraktiker beschränkt auf das Gebiet der Psychotherapie
Weiterbildungen in Systemischer Therapie und Beratung: Systemischer Paartherapeut (SIH) | Systemischer Therapeut und Berater (SG) | Sexualtherapie (DGfS).

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