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Foto: Sprache der Liebe finden – Wenn Partner nicht mehr richtig kommunizieren

Sprache der Liebe finden – Wenn Partner nicht mehr richtig kommunizieren

Kommunikation – Sprache der Liebe

In Berlin begleite ich Paare im Rahmen von Paarberatung, die angesichts kommunikativer Probleme um eine partnerschaftliche Sprache Ringen, die Ausdruck gegenseitiger Wertschätzung und Liebe sein soll. Immer wieder berichten mir Paare, dass sie nicht mehr richtig miteinander kommunizieren. Probleme innerhalb der Beziehung werden entweder verdrängt oder nur noch vorwurfsvoll besprochen. Entweder eskalierten Gespräche mit dem Partner oder beide Partner verstummen und kommunizieren so nonverbal Ablehnung und Hilflosigkeit.

Dennoch seien Gefühle der Liebe vorhanden. Es falle aber schwer, diese zu äußern. Die Kommunikation zwischen den Partnern finde in dieser Situation vermehrt vorwurfsvoll und konfrontativ statt. Jetzt auf einmal liebevoll und harmonisch zu sprechen stelle eine Herausforderung dar. Auch wolle niemand nach dem Motto „Der Klügere gibt nach“ verfahren, denn beide Partner empfänden ihre Positionen und Ansichten als wertvoll und wichtig; bisweilen auch ohne Abstriche unaufgebbar.

Was nun wieder in den Fokus rücken solle, sei die Sichtweise auf eine neue und andere Sprache, eine, die liebevolle und wertschätzendes Kommunikationsverhalten zu integrieren weiß.

Kommunizieren lernen

Kommuniziert wird vermutlich schon im Mutterleib; wenn Mutter und Kind in einer bestimmten Weise miteinander non-verbal kommunizieren. Und doch bleibt erst einmal das Geworfen-Sein in diese Existenz, das sich mit lautem Schreien äußert, wenn die Geburt erfolgt ist. Orientierungslosigkeit einerseits und die Suche nach Halt prägen diese ersten Momente. Eine unglaubliche Veränderung in einen anderen neuen Kontext hinein ist erfolgt, mit der ein Mensch Schritt für Schritt umzugehen lernen muss. In der Regel wird er dies von anderen Menschen lernen, er wird sich ihre Gesten, Bewegungen, Verhaltensmuster und ihre Sprache antrainieren und ist somit Stück um Stück mehr in der Lage das Chaos um ihn, das ihn mit der Geburt erwartet hatte, zu ordnen, d.h. in Beziehung zu setzen und miteinander zu verknüpfen.

Mich erinnert das an das Theaterstück „Kaspar“ von Peter Handke (*1942). Es führt mir radikal vor Augen, dass wir als Menschen soziale Wesen sind, die sich der Gedanken bedienen, viel mehr noch der Sprache, um Einzelnes in einen Gesamtzusammenhang fügen zu können. Dadurch errichten wir uns unsere Welt. Wir sind als Menschen auf Kommunikation angewiesen, um in Kontakt mit der Umwelt zu treten. In Handkes Stück fällt die Hauptfigur durch den Muttermund des Bühnenvorhanges auf die Bühne, ist orientierungslos und kriecht vor sich hin. Sogenannte Einsager nun zwängen ihm eine Sprache auf, formen dadurch auch seine Gedanken, domestizieren ihn. Scheinbar zum Ich werdend verliert Kapspar letztlich alles wieder im Wirrwar der einsagenden Stimmen. Das zeigt, wie abhängig wir von Sprache und Kommunikation sein können.

Sprachfundament in der Paarbeziehung

Für eine Partnerschaft wird es womöglich bedeutend sein, selbstbestimmt und bewusst, ein gemeinsames Sprachfundament herauszubilden, ein Thesaurus an gemeinsamen Begriffen und Erklärungen; und zwar nicht stereotyp, sondern individuell und liebevoll. Kommunikation in diesem Sinne wäre ein achtsameres Hören und Sprechen, in respektvollem Interesse dem Partner gegenüber. Man könnte fast sagen, dass beide Partner ihre Schatzsammlung an Worten und Begriffen, aber auch Gesten, in die Schatztruhe der Beziehung hinein legen.

Der Respekt vor dem Partner wird vermutlich einfordern, dabei dennoch nie ganz in den anderen verstehend eindringen zu wollen, bzw. zu können; trotz aller Freude über jedes liebe Wort. Ein Partner bleibt in allem dennoch immer auch der andere. Ich besitze sie oder ihn nicht, sondern darf mich jeden Tag neu achtsam und respektvoll diesem geliebten Menschen nähern. Insofern ist und bleibt die partnerschaftliche Kommunikation auch ein ständiges Ringen um Gemeinsames und auch um die Akzeptanz und den Respekt des individuell Anderen. Diese Spannung müssen wir aushalten, dass wir den Partner nicht vollkommen besitzen. Der oder die Andere bleibt auch immer ein Geheimnis, um das wir uns täglich bemühen dürfen: wir dürfen versuchen, es zu ergründen und gleichzeitig auch staunend das Geheimnisvolle belassen.

Partnerschaftliche Kommunikation und Sprache

Für mich als Mensch in Beziehung, ist ein biblischer Satz wichtig geworden: „Wovon das Herz voll ist, davon redet der Mund“ (Lk 6, 45b). Ich möchte mich meinen Lieben mitteilen, aktiv kommunizieren und sehe es auch als Form von liebevoller Zuwendung an, Anteil an meinem Geheimnis zu geben. Dass ich mich dabei meiner eigenen Sprache bediene, steht dem Vorhaben nicht im Weg. Aber es bedarf einer grundsätzlich wohlwollenden, einladenden Haltung. Ich möchte versuchen, auf die Art und Weise einzugehen, wie mein Partner hört und versteht. Überdies ist es mein Anliegen, mit meinen Worten, aber auch mit der Sprache des Partners zu sprechen. Es liegt mir an einer Verständigung.

In meiner Arbeit in Berlin begleite ich Paare, die ihr eigenes, individuell abgestimmtes Regelwerk für ihr partnerschaftliches Kommunikations- und Streitverhalten erarbeiten möchten. Auch wenn anfänglich das ein oder andere Sprachregelwerk künstlich anmuten mag und anscheinend einer Einübung bedarf, ist es das Ziel dieser Paare, etwas an ihrem kommunikativen Verhalten zu ändern. Es ist ein bißchen so, als ob man eine bestimmte Form der Übersetzungshilfe anwenden würde, in dem man sich in die Lage des jeweils anderen Partners hineinversetzt und sich fragt, wie dieser wohl Hören und Verstehen könnte. Das bedeutet nicht, dass man selbst alle eigenen Werte und Meinungen aufgeben müsste, vielmehr geht es ja um eine respektvolle Darstellung der eigenen Inhalte. Mir geht es in meiner Paarberatung darum, nach Wegen zu suchen, aufeinander zuzugehen, ohne Selbstpreisgabe und den Eindruck eines Gesichtsverlustes, eine liebevolle Sprache zu entwickeln.

Heute schon etwas Liebes zum Partner gesagt?

Ferdinand Krieg, Dipl.-Theologe.
Heilpraktiker beschränkt auf das Gebiet der Psychotherapie.

Weitergebildet zum Systemischen Therapeut und Berater (SG) in systemisch-lösungsorientierter Therapie, Familientherapie und Beratung; nach den Rahmenrichtlinien der Systemischen Gesellschaft in Deutschland. Systemische Paarberatung und Beziehungsberatung in Berlin.

Raumerstraße 16, 10437 Berlin Prenzlauer Berg.
01577-5337371, Email

Ferdinand Krieg

Dipl.-Theologe | Heilpraktiker beschränkt auf das Gebiet der Psychotherapie
Weiterbildungen in Systemischer Therapie und Beratung: Systemischer Paartherapeut (SIH) | Systemischer Therapeut und Berater (SG)

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