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Foto: Toxische Beziehung und negative Beziehungsmuster

Toxische Beziehung und negative Beziehungsmuster

Was ist eine toxische Beziehung?

Eine toxische Beziehung ist eine vergiftete Beziehung. Menschen in einer toxischen Beziehung beschreiben mitunter negative Muster, beziehungsabträgliche und gleichsam Gift in die Beziehung spritzende Verhaltensweisen und negative Verstrickungen. Eine vergiftete Beziehung ist also auch ein Begriff für eine ungute Beziehungskonstellation. Negatives und dysfunktionales Verhalten, ungutes Denken und unschöne Emotionen haben in einer giftigen Beziehung ein großes Ausmaß erreicht. Sie beeinträchtigen ein unbeschwertes Beziehungsglück, vergiften es, verdrängen dieses, löschen es vielleicht auch aus.

Vergiftete Atmosphäre in toxischen Beziehungen

Partner*innen definieren für sich, ab wann Sie eine Beziehung als vergiftet ansehen und wann ein beziehungszerstörerisches Klima erreicht ist. Aus Sicht vieler Paare sprechen nachfolgende Anhaltspunkte für eine vergiftete Beziehung.

Augenhöheverlust der Partner*innen in einer toxischen Beziehung

Partner*innen in einer giftigen Beziehung erleben vielleicht, dass es keine Augenhöhe gibt. Man begegnet sich nicht auf einer Ebene, tritt nicht respektvoll und wertschätzend aufeinander zu. Vielmehr gibt es von Anfang an oder seit einer gewissen Zeit der Beziehung eine ungute Überordnung und Unterordnung, eine negative Dominanz und Subdominanz. Zumindest eine Partner*in lehnt dabei eine solches Machtgefälle ab und beklagt den Augenhöheverlust. Nicht immer ist es aber leicht, sich aus einer solchen Unterordnung zu befreien, etwa aufgrund finanzieller, gefühlsmäßiger oder familiärer Abhängigkeiten oder Verstrickungen. Mitunter kommt es auch zu psychischer und physischer Gewalt, zum Schaden des oder der Untergeordneten.

Unberechenbarkeit der Aktionen und Reaktionen der Partner*innen

Auch stimmungsmäßig emotionale Schwankungen und eine zugehörige Unberechenbarkeit unter Partner*innen werden als beziehungsabträglich angesehen und für das Beziehungsglück als Gift. Heute liebe ich dich, morgen hasse ich dich. Amplituden aus liebevoller Zuwendung, Verschmelzungswünschen und Symbiosetreben einerseits und abwertend degradierendem Entwerten andererseits wechseln einander ab. Was an einem Tag aufgebaut worden ist, wird am nächsten Tag niedergerissen.

Toxische Beziehung und negative Muster in einer Partnerschaft. Liebe und Frust in Beziehung.

Häufiger Streit – Vergiftete Kommunikation

Paare beschreiben giftige Beziehungen mitunter als von häufigem und ausuferndem Streit gekennzeichnet. Teufelskreis und Streitspiralen nehmen Fahrt auf, werden schneller, häufiger und intensiver. Das Positive am Miteinander, gute Seiten der Beziehungsgeschichte geraten aus dem Blick. Ein Fundament aus zugewandter Leichtigkeit, unbeschwertem Respekt und liebevoller Kommunikation wird verlassen. Stattdessen begegnet man sich in einer toxischen Beziehung mit Abwertungen, zum Beispiel mit Zynismus, Sarkasmus und mit höhnischer Ironie. Partner*innen belächeln einander verächtlich und suchen die Erniedrigung des Gegenübers. Typisch abwertende Aussage in einer toxischen Beziehung: „Schau Dich mal an: Du bist nichts! Du kannst nichts! Du wirst nichts!“ Dazu kommen nonverbale Gesten und andere Handlungen, die auf eine Erniedrigung zielen.

Anklagen und Schuldgefühle

In einer vergifteten Beziehung geht es vielleicht auch um Schuldgefühle, die im Zusammenspiel der Partner*innen geweckt werden. Durch Anklagen oder einen eindrücklichen Hinweis auf eine Unzufriedenheit die durch das Tun oder Unterlassen eines/einer Partner*in entstehe. Typischer Sätze: „Du bist schuld daran, dass ich so leiden muss! Du trägst Verantwortung dafür, dass ich einsam bin! Wenn Du mich lieben würdest, dann….!“ Die Sicht auf die eigene Unzulänglichkeit, wird mit einer Partner*in verknüpft. Das Gegenüber wird zum Grund allen Übels und gleichzeitig zur vermeintlich potentiellen Ursache allen Glücks stilisiert. Im Sinne einer Erpressung wird versucht, eine(n) Partner*in zu gewünschtem Handeln zu domestizieren. Es erfolgen Anweisungen, deren Nichtbefolgung mit Abstrafungen beantwortet werden. Tut er oder sie, was die /der fordernde Partner*in will, wird er oder sie belohnt. Ansonsten wird abgestraft oder angeklagt.

Trennungsandrohungen und Trennungen in einer toxischen Beziehung

In einem solchen Beziehungsklima finden sich mitunter auch Trennungsandrohungen sowie häufige und wiederholte Trennungen. Die toxische Beziehung ist hier sozusagen eine On-Off-Beziehung. Die Verbindung beider Partner*innen in ihr ist unsicher. Daher scheint es, in der Logik dieses negativen Musters, angebracht, alles zu tun, um die oder den unzufriedenen Partner*in zufriedenzustellen. Dabei werden schnell eigene Grenzen überschritten. Ein(e) Partner*in löst sich zu vermeintlichen Gunsten des / der anderen Partner*in willfährig auf. Man könne fast zugespitzt formulieren: Entweder es gibt diese Beziehung oder zwei selbstbestimmte und souveräne Partner*innen.

Regulierung von Nähe und Distanz

Paare haben die stetige Aufgabe, ihre Beziehung zu gestalten. Dazu gehört auch, sich über Nähe und Distanz in einer Beziehung zu unterhalten. Partner*innen müssen sich abstimmen, wieviel Nähe und wieviel Anstand sie zueinander benötigen. Ein(e) Partner*in wünscht sich mitunter zu einem gewissen Zeitpunkt mehr Nähe oder Abstand, als die oder der andere. Darüber braucht es eine respektvolle und liebevolle Aussprache und Verständigung. Wie bekommen wir das unter einen Hut? Und wenn es sich nicht zufriedenstellend austarieren lässt, wie gehen wir dann als Paar gut damit um?

Eine toxische Beziehung ist vielleicht auch gerade dadurch gekennzeichnet, dass dieses Ausbalancieren zwischen Nähe und Distanz nicht wirklich gelingt. Starke Distanzwünsche (zeitlich und räumlich auf Abstand) treffen beispielsweise auf intensive Nähewünsche (Symbiosestreben). Manchmal, so scheint es, wirkt dies auch wie ein geschlossener Regelkreis. Das Streben nach Unabhängigkeit und Freiräumen einerseits entfacht den Wunsch nach Nähe und Beieinandersein andererseits um so mehr; und vice versa. Für beide Partner*innen wird ihr Wunsch nach entweder Abstand oder nach Nähe zum Entscheidungspunkt für den Fortbestand der Beziehung.

Aufopferungsvolle Hingabe und Hilfsbereitschaft

Partner*innen in einer unguten Beziehung berichten auch davon, dass sie sich ausgenutzt, benutzt, sozusagen gebraucht und verwendet fühlen, so als dienten sie als Mittel einem Zweck. Mitunter haben sie die hoffnungsvolle Vorstellung und leitende Idee, das stetig Ungute im Verhalten des/der Partner*in, in Liebe erlösen zu wollen. Je böser sich ein(e) Partner*in verhält, um so lieber ist die Reaktion des / der anderen Partner*in darauf. Auf eine Abwertung folgt eine Antwort aus Liebe, mit Geduld, mit Hilfsbereitschaft und aufopferungsvoller Hingabe. Aber es bleibt das Gefühl zurück, dass sich doch nichts substantiell bewegt und zum Guten verändert, sondern vielmehr ein bestimmtes Muster aufrecht erhalten wird.

Beziehung mit einem Narzissten

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Sollten Sie bei sich ein eigen- oder fremdgefährdendes Verhalten, Depressivität oder Suizidalität vermuten, zögern sie nicht, umgehend ärztliche Hilfe in Anspruch zu nehmen. Hilfsangebote in Krisensituationen sind außerdem der sozialpsychiatrische Dienst ihrer Stadt, in Berlin zudem der Berliner Krisendienst, sowie Schutzeinrichtungen für von Gewalt betroffene Frauen. In Fällen akuter Suizidalität wählen Sie bitte den Notruf (in Berlin: Berliner Feuerwehr 112).

Ferdinand Krieg

Dipl.-Theologe | Heilpraktiker beschränkt auf das Gebiet der Psychotherapie
Weiterbildungen in Systemischer Therapie und Beratung: Systemischer Paartherapeut (SIH) | Systemischer Therapeut und Berater (SG) | Systemische Sexualtherapie (isiberlin | DGfS)

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