Küssen sie sich noch? – Welche Bedeutung haben Küsse in ihrer Beziehung?
„Küssen Sie sich noch?“ und „Welche Bedeutungen haben Küsse in ihrer Beziehung?“ – zwei Fragen, deren Fragerichtung ich interessant finde. Küssen ist für viele Paare ein vergessenes Thema, wenn es um Beziehung, intime Nähe und Sexualität geht. Manchmal ist Küssen zwar noch Teil von Beziehung, aber als etwas Ritualisiertes – man setzt es nicht mehr so bewusst ein. Ich meine: Küsse dürfen ein alltägliches aber auch zugleich sehr intimes Zeichen sein. Für viele Partner*innen drücken Küsse Nähe aus, vielleicht auch Vertrautheit, nicht selten auch Begehren – nicht selten aber eben auch Gewohnheit oder Distanz. Wie unterschiedlich Paare Küsse in ihrer Beziehung erleben, darauf kommt manchmal ein Gespräch in meiner Sexualberatung in Berlin.
Ritualisierte Küsse im Alltag eines Paares
Viele Paare wissen, dass Küsse ein fester Bestandteil ihrer Routinen in Beziehung, Partnerschaft und Ehe sind: ein Verabschiedungskuss am Morgen, ein Begrüßungskuss am Abend, ein Gutenachtkuss. Solche Gesten sind für viele wertvoll. Mit der Zeit verlieren sie in manchen Beziehungen ihre Intensität und werden eher zu leeren Ritualen. In einer langfristigen Partnerschaft stellt sich daher die Frage: Sind diese Küsse nur Gewohnheit – oder werden sie noch als Ausdruck von Zuneigung und Intimität erlebt?
Wie wird geküsst – und mit welcher Bedeutung?
Nicht nur die Frage ob Paare sich küssen, sondern auch wie, ist für mich interessant: Sind es flüchtige Bussis, Zungenküsse, Stirnküsse oder zärtliche Küsse auf Hände, Hals oder Wangen? Wer initiiert den Kuss, wer empfängt ihn? Welche Botschaft schwingt mit? In einer Sexualtherapie mit Paaren frage ich daher auch gerne: Welche Bedeutung hat dieser Kuss für beide? Wird er als liebevoll, erotisch, fürsorglich oder distanziert empfunden? Manchmal entstehen zwischen Partner*innen auch Missverständnisse genau hier – wenn die Botschaft des*der einen nicht der Wahrnehmung des*der anderen entspricht.
Welche Intimität ist vorhanden?
Manche Paare leben eine aufrichtige Vertrautheit und Partnerschaftlichkeit. Sie sind eine Verantwortungsgemeinschaft – ein Team sozusagen. Man übernimmt füreinander als Partner*innen Verantwortung, aber man ist zugleich routiniert und auf ein Alltagsleben hin eigespielt. Eine Liebesbeziehung ist vielleicht in den Hintergrund getreten, weil das Leben mit Familie, Beruf und Alltag so viel Aufmerksamkeit und Zeit einfordern. Und nach und nach hat man sich mehr und mehr als Partner*innen, nicht mehr aber als Liebespartner*innen oder Sexualpartner*innen gesehen – oft gar nicht aufgrund einer festen und situativen Willensentscheidung sondern eher schleichend.
Vielleicht stellen sich Partner*innen folgende Fragen in Bezug auf intime Nähe: Wie sie einmal war, wie sie sich entwickelt hat und wie sie derzeit praktiziert wird. Gibt es Sex, zärtliche Berührungen, Gespräche, Blicke? Oder beschränkt sich der Kontakt auf funktionale Kommunikation im Alltag? Was Paare für sich als stimmig empfinden, mag variieren. Manche Paare tauschen vielleicht einfach ihren gewohnten Gutenachtkuss aus. Andere hingegen, pflegen variierende Formen von Intimität und Nähe – Sexualität eingeschlossen.
Impulse zur Selbstreflexion
Anbei habe ich ein paar Fragen zusammengestellt, die Partner*innen einander oder sich selbst stellen dürfen:
- Küssen wir uns (noch) – und wenn ja, wie oft und wie?
- Wie fühlt es sich für mich an, wenn wir uns küssen – Routine oder Intimität?
- Welche Bedeutung haben Küsse in unserer Beziehung? Ausdruck von Liebe, Fürsorge, Erotik?
- Möchte ich, dass sich daran etwas verändert?
Hinweis: Dieser Beitrag dient der allgemeinen Information und Anregung zur Selbstreflexion. Er stellt keinen individuellen therapeutischen Rat dar. Er ersetzt keine individuelle Beratung sowie keine ärztliche, psychiatrische oder psychotherapeutische Abklärung oder Behandlung. Wenn Sie das Thema berührt, wenden Sie sich bitte an eine Fachperson.
Informationen über Gespräche mit mir – zu Intimität und Sexualität – finden Sie hier: Sexualberatung.