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Foto: Einsamkeit trotz Beziehung – Einsam in einer Beziehung

Einsamkeit trotz Beziehung – Einsam in einer Beziehung

Einsamkeit trotz Beziehung – Einsam in einer Beziehung?

Einsamkeit trotz Beziehung – Einsam in einer Beziehung? Ist so etwas vorstellbar? Ich möchte an dieser Stelle einige Gedanken hierzu teilen, weil wir Menschen ja vielleicht die Erfahrung machen – oder gemacht haben -, dass ein bloßes Beisammensein, eine Zweisamkeit allein, noch kein Verbundenheitsgefühl bedeutet. Wir verbringen Zeit miteinander in einer Beziehung, wir haben örtlich und räumlich einen Raum für uns, wissen uns aber dennoch einsam.

Einsam und mangelnde emotionale Verbindung

Vielleicht erleben wir, dass wir zwar Zeit miteinander verbringen, uns gegebenenfalls sogar viel sehen, es Raum für Treffen gibt. Aufgrund einer mangelnden emotionalen Verbundenheit aber, fühlen wir uns dennoch einsam. Man lebt miteinander, ist aber vom Gefühl her, nicht verbunden; bis hin zu einsetzender Distanz aufgrund einer „emotionalen Unterkühlung“, etwa im Kontext vielen Streitens, schwelender Machtkämpfe und / oder der Anwesenheit bereits aversiver Gefühle.

Alltag und Verpflichtungen verhindern Zweisamkeit

Zwar wäre man vielleicht emotional verbunden, aber Familienleben, berufliches Handeln und ein routinierter Alltag verhindern wirkliche Begegnungen, verunmöglichen einen emotionalen Kontakt, der Verbundenheit stiftet und auch durch Zeiten räumlicher und zeitlicher Distanz hinweg trägt. Vielleicht hat es auch eine Fokusverschiebung gegeben, im Selbst- und Fremdbild: Ich sehe meine(n) Partner*in nur noch als Familienmitglied (Elternrolle), als Berufstätige(n), als Verwalter*in des Alltags.

Einsam in einer Beziehung ohne Gelegenheit, Wünsche und Bedürfnisse mitzuteilen

Wird nach Wünschen und Bedürfnissen, Zielen und Träume für unser individuelles und für unser partnerschaftliches Leben nicht gefragt, weil ein(e) Partner*in nur Augen und Ohren für anderes hat, offensichtlich desinteressiert ist, uns ablehnt oder weil wir uns damit schwer tun, Bedürfnisse und Wünsche zu äußern, fühlen wir uns vielleicht dabei einsam. Eine gemeinsame Zielversion, von beiden Partner*innen geteilt und erträumt, stiftet vielleicht im gemeinsamem Blick in die Zukunft bereits in der Gegenwart ein Gefühl der Verbundenheit.

Einsam aufgrund mangelnder oder fehlender sexueller Passung?

Finden wir sexuell mit der/dem Partner*in nicht zusammen, aufgrund einer mangelnden oder fehlenden sexuellen Passung, beschert uns das vielleicht ein Gefühl, unverbunden und hier im sexuellen Wünschen und Wollen einsam zu sein. Es fehlt uns der Weg, über Sex, Liebe und Verbundenheit auszudrücken, ein Beziehungsgefühl durch Sex im Sinn von Liebemachen zu erleben.

Einsam aufgrund von Vermeidung mit der Absicht des Selbstschutzes

Vielleicht vermeiden wir auch, in Verbindung zu gehen, uns für eine Partner*in auch mit Gefühl von Herzen  zu entscheiden, seine/ihre Nähe zu suchen und zu halten, weil wir uns bedroht fühlen. Wir wählen ein Alleinsein, vielleicht auch ein Einsamkeit aus vermeintlichen Selbstschutzgründen. Nähe wurde vielleicht als riskant erlebt, ist gegebenenfalls verknüpft mit der Vorstellung, sich an der Seele verletzlich zu machen, wenn wir mit Gefühl eine Verbindung bejahen. Immerhin besteht ja das (vermeintliche) Risiko, eine Enttäuschung zu erleben; etwa durch Verlassenwerden oder Zurückweisungen. Wir befürchten, sozusagen in Bindungsangst, vielleicht einen Verlust, und vermeiden gleichsam präventiv überhaupt etwas zu haben, was wir dann verlieren könnten.

Einsam in und mit uns selbst

Auch wenn alles schön ist und wir glücklich verbunden sind, bleibt doch manchmal das Gefühl, dass wir dennoch Individuum sind, letztlich ganz wir als Einzelne. Hin- und wieder ist dieses Wissen vielleicht mit einem Einsamkeitsgefühl verbunden.

Fragen nach den Gefühlen in einer emotionalen Beziehung

Vielleicht bringt es ein wenig näher, wenn in einer Beziehung wieder (mehr) miteinander gesprochen wird. Dabei geht es dann vermutlich nicht um ein lediglich chronologisches Aufzählen von Inhalten, also nicht um bloße Tätigkeitsberichte. Vielmehr vielleicht auch um eine emotionale Seite. So ließe sich darüber in den Austausch gehen, wie man sich mit dem jeweils Erlebten gefühlt hat. Was also etwas jemandem bedeutet und wie er sich damit fühlt, ließe sich fragen. Was hast Du erlebt? Wann und womit warst Du heute glücklich?

Es geht dabei um ein Verstehen und Verstehen-Wollen. Allein, dass gefragt wird, signalisiert vielleicht, dass das gegenüber wichtig ist. Dass es ernst genommen wird. Ich will dich verstehen. Du bedeutest mir etwas. Ich möchte mich in dich perspektivisch hineinversetzen: gedanklich und emotional. Letzteres wird als ein emphatisches Einfühlen, ein Mitfühlen und ein Perspektivenwechsel angestrebt. Dieser darf vielleicht über ein bloß gedankliches Nachvollziehen hinausgehen. Es ist vielleicht ein schönes Erleben auf der Ebene als Paar, wenn man berichten darf. Wenn man dann zugleich aber auch gefragt wird.

Ferdinand Krieg

Dipl.-Theologe | Heilpraktiker beschränkt auf das Gebiet der Psychotherapie
Weiterbildungen in Systemischer Therapie und Beratung: Systemischer Paartherapeut (SIH) | Systemischer Therapeut und Berater (SG) | Systemische Sexualtherapie (isiberlin | DGfS)

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